Oder: Elektronn will die Weltherrschaft!
Nach nunmehr etwas über einen Monat „normalen“ Studiums möchte ich mal ein wenig vom Leben als Student (oder meinetwegen auch Erstsemester) erzählen. Vorneweg sei angemerkt, dass es sich um ein Studium der Physik mit angestrebtem Diplomabschluss handelt. Folglich werden viele Geisteswissenschaftler vermutlich verstört über den Tagesablauf sein.
Es fing alles ganz harmlos an mit den Brückenkursen vor Beginn des eigentlichen Wintersemesters. Ein paar Stunden die Woche in der Uni sitzen, sich berieseln lassen und evtl. ein paar neue Sachen nacharbeiten. Das war’s dann auch. Also viel Zeit für das Pflegen sozialer Kontakte und das kulturelle Kennenlernen der Stadt (Partys und Kneipen).
Nun gut, die erste Woche des Studiums sollte man nicht mitrechnen, da es in dieser Zeit lediglich Einführungsveranstaltungen gab, die das Ziel hatten, uns Angst vorm Studium zu machen. Also zumindest den Leuten, die dabei zum ersten Mal gehört haben, worum es im Studiengang eigentlich geht…
Nach 2-3 Wochen hatte man sich dann auch schon einigermaßen eingelebt. Ein paar Vorlesungen und Übungen am Tag, mittwochs sogar Ausschlafmöglichkeit (zumindest in unserer Gruppe) und auch des Öfteren gemeinsame Unternehmungen mit Kommilitonen. Okay… das klingt bisher alles sehr langweilig, also werd ich mal ein paar Anekdoten erzählen.
So haben wir zum Beispiel ein eigenes Hogwarts in Form des Gebäudes für die Anorganische Chemie. Direktor dieser Zauberschule ist Prof. Dr. Oderso, der diesen Namen trägt, weil er selbigen gerne in Sätzen nachstellt. Eine Außenstelle von Hogwarts gibt es auch in der Nähe der Bibliothek. Dort schwingt Mr. Whitebeard seinen Zauberstab und schafft es somit, mit etwas (uns nicht ersichtlicher) Mathematik, aus einer Entropie wieder eine Ordnung herzustellen.
Dabei haben wir schon oft Zauberhaftes in der Welt der Mathematik erlebt. Das erste Kunststück war, uns glaubhaft zu machen, dass wir Physik studieren… Bei 2 Stunden Physik, 2 Stunden Chemie und 5 Stunden Mathematik die Woche (alles wohlgemerkt Doppelstunden mit einer Dauer von 1½ Zeitstunden) studiert man doch wohl eher Mathematik statt Physik.
Aber es ist ja auch ein wichtiges Fach, in dem wir lernen, aus Kugeln Würfel zu machen – und daraus dann wieder Kugeln. Wie auch immer das gehen mag… Immerhin versucht unser Dozent, uns verzweifelte Studenten mit Sätzen wie „Das sieht man ja sofort, nich? Das is ja ganz einfach.“ aufzumuntern, sucht dann aber in unseren Augen vergebens nach dem Funken der Erkenntnis, wenn er mit Hilfe eines „Stimmt’s?“ Bestätigung seiner Tafelbilder erwartet.
Dafür ist Physik immerhin ein spaßiges Fach mit regelmäßigen Versuchen, die von unserer Hausgiraffe, dem Experimental-Gehilfen Special Agent Radtke, durchgeführt werden. Man denkt oft, dass er umsonst neben den Experimenten steht, wenn der Dozent ohnehin den Versuch selbst macht und anscheinend keine Hilfe benötigt. Falsch gedacht! Nur dank seiner Präsenz und der positiven Schwingungen seiner Aura gelingt das Experiment überhaupt! Außerdem zieht er im Hintergrund die Fäden der gesamten Experimentalphysik und möchte nur gucken, ob die Dozenten ihren Job gut machen. Nach außen hin ist er aber als unscheinbarer, unbeholfen aussehender Gehilfe getarnt.
Jaja, das Studium der Physik steckt voller Geheimnisse, die es noch zu entdecken gilt. Das gilt auch für die Geschichte um den Bösewicht Elektronn mit seinen diabolischen Matrizen-Schergen, dem Superhelden Protonn und dessen Gehilfen e hoch x, einigen neutralen Elementen sowie dem nicht ganz durchschaubaren Russen Divisor… Aber mehr dazu, wenn der Comic zu dieser Geschichte veröffentlicht wird. Voraussichtliches Erscheinen: 2010, oder so…
In diesem Sinne…
Euer Jan
P.S.: Elektronn & Protonn are trademarks of physics united corp.
Freitag, 9. November 2007
Auszug aus dem Studentenalltag...
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